Pferdegerechte Ausbildung






Die Ausbildung des Pferdes

Pferdegerecht heißt immer "fair" und "gerecht".
Es ist entscheident immer darauf zu achten, ob das jeweilige Pferd in diesem Moment in der Lage ist, das von ihm verlangte auch zu leisten. Anderenfalls muss man mit Wiedersetzlichkeiten rechnen, die eventuell vermeidbar waren.




Die Erziehung ist die Grundlage im Umgang mit unseren Pferden und sollte mit viel Sorgfalt und Achtsamkeit konsequent, fair und gerecht umgesetzt werden. Ist ein Pferd unerzogen, können leicht Situationen entstehen, die sowohl für den Mensch als auch für das Pferd gefährlich, unter Umständen sogar lebensgefährlich sein können. Erziehung dient also dem Wohl von Mensch und Tier, sowohl im Umgang als auch beim Reiten.
Jedes Reitpferd sollte sich anbinden lassen, die Hufe, das Fell und Gesicht, sowie das Langhaar reinigen lassen.
Beißen, schlagen, buckeln und steigen darf in keiner Situation eine Option dem Menschen gegenüber sein. Es sollte sich ruhig und vertrauensvoll von A nach B bringen lassen, und sich immer respektvoll zeigen.
Sattel und Trense sollte es vertrauensvoll akzeptieren und reiterliche Hilfen annehmen.
Sind diese Grundvoraussetzungen nicht gegeben, muss an der Erziehung gearbeitet werden, um unnötige Unfälle zu vermeiden. Dies geschieht immer ohne Zwang und Gewalt, aber konsequent und fair.

Die Ausbildung vor dem Einreiten besteht im Grunde aus vier Elementen:

                                    1. Aufzucht
                                    2. Lernen lernen
                                    3. Gleichgewicht finden
                                    4. Muskeln, Sehnen und Bänder festigen

Die Aufzucht beginnt nach der Trennung von der Mutterstute in der Regel zwischen dem sechsten und neunten Lebensmonat. Danach sollten die Jungpferde idealer Weise in einer Herde mit gleichaltrigen und erwachsenen Pferden heranreifen. Ein regelmäßiger Kontakt zu Menschen, der z.B. Mineralfutter aus der Hand oder einem Eimer zufüttert und die Jungtiere im Winter Nachts in den Stall bringt, lässt Menschen zur positiven Selbstverständlichkeit werden.

Das Lernen lernen beginnt in der Regel nach dem Aufstallen im Alter zwischen zwei und drei Jahren. Nun lernt das Jungpferd den Stallalltag kennen, wird täglich über den Hof geführt, es lernt sich anbinden und putzen zu lassen, die Hufe zu geben und alles was für das Leben als Reitpferd notwendig ist.
Das Lernen zu lernen Endet erst, wenn das Pferd zwischen dem siebten und neunten Lebensjahr seine Pflegelzeit vollständig abgelegt hat und nun ein ausgebildetes Reitpferd ist.
 
Je nachdem, wie die körperliche und geistige Reife des Pferdes vorangeschritten ist, beginnt nun zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr die Ausbildung zum Reitpferd. Das Pferd wird schonend auf das Gewicht und die Hilfen des Reiters vorbereitet.
Mit ca. 3,5 - 4 Jahren sollte das Pferd bereits gelernt haben sich 20-30 Minuten auf den Menschen zu konzentrieren und das von ihm verlangte vertrauensvoll zu versuchen.
(Der Lernerfolg bei kürzeren Trainingseinheiten, idealer Weise 2 mal täglich 15 - 20 Minuten, gegenüber längeren Einheiten, z.B. 3 Mal pro Woche 1 Stunde ist imens.
Daher sollte eine Trainingseinheit nie länger als 30 Minuten dauern, auch um das Jungpferd nicht zu überfordern.)

Um dem Jungpferd zu helfen sein Gleichgewicht zu finden kann man z.B. zirzensische Arbeit mit ihm machen. Das Aufsteigen auf ein Podest, Kompliment, Knien, Liegen etc. stärkt zum einen die Bindung und das Vertrauen zum Menschen, unterstützt die Konzentrationsfähigkeit und lehrt das Pferd seinen eigenen Körper besser zu verstehen. Der Gleichgewichtssinn muss sich bei diesen Übungen ständig auf die veränderte Köperhaltung einstellen und wird dadurch verbessert.

Letzter Schritt vor dem Einreiten ist nun das anlongieren. Im Zuge des Lernen lernens sollte das Tier Sattel und Trense bereits kennen gelernt und akzeptiert haben. An der Longe mit Kappzaum wird das Jungpferd nun ohne Reitergewicht gerade gerichtet.




Auf diese Weise werden Sehnen und Bänder gestärkt und dem Pferd immer sichererer Stand auf allen vier Beinen gelehrt. Hierbei sind häufige Richtungs und Tempiwechsel anzuraten, um das Pferd nicht einseitig zu überlasten. Eine Stärkung von Sehnen, Bändern und Muskeln ist nur gewährleistet, wenn die Beanspruchung und Entlastung für das Gewebe abgewechselt wird.

Beim Anreiten von Jungpferden muss immer mit Geduld und ohne Zwang gearbeitet werden. Unbedingt zu bedenken ist, dass Pferde die "Erstbewegung" abspeichern. Läuft hierbei also etwas falsch, wird das Pferd sich das Falsche merken und nur mit viel Arbeit etwas anderes lernen. Daher sollte man das Einreiten einem Profi überlassen bzw. dies nur in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Ausbilder tun. Fehler, die beim Einreiten gemacht werden, sind am schwierigsten zu korrigieren.



Bei der Reitausbildung muss auf das Geraderichten besondere Priorität gelegt werden, um dem Jungpferd immer sicheren Stand auf allen vier Beinen zu gewährleisten. Ein nicht geradegerichtetes Pferd hat speziell in Kurven häufig das Gefühl umzukippen oder durch eine falsche Haltung sogar Schmerzen. Häufig ist dies der Auslöser für ein "Durchgehen" oder für "Triebigkeit", da das Tier auf die eine oder andere Weise versucht, sein Gleichgewichtsgefühl zurück zu erhalten. Die unterschiedlichen Reaktionen auf den Verlust von Gleichgewicht sind charakterbedingt und können sowohl in dem einen als auch in dem anderen Fall fatale Auswirkungen haben.
Wo das Pferd den Verlust von Gleichgewicht versucht durch Geschwindigkeit auszugleichen, kann es für Pferd und Reiter unter Umständen sehr gefährlich werden. Häufig wird hier mit Hilfszügeln gearbeitet, was zu einem Vertrauensverlust und heftigen Wiedersetzlichkeiten führen kann.

Löst das Tier das Problem durch Ignoranz von Hilfen, wird gern versucht durch das Verstärken der Hilfen, auch mit Hilfsmitteln wie Gerten, Sporen oder Hilfszügeln, eine Reaktion zu erhalten. Wenn die verstärkten Hilfen für das Pferd wieder zu Gleichgewichtsverlust führen, kann die "Hilfenignoranz" auch auf das Hilfsmaterial ausgeweitet werden. Für den Reiter ist ein solches Verhalten sehr frustrierend und mit Emotionen verbunden. Pferde können menschliche Emotionen nicht mit ihrem Verhalten in Verbindung bringen und verstehen emotionales Verhalten in der Regel miss, was zwangsläufig zu ungewünschtem Verhalten jeglicher Art führt.

Wenn die Basis jedoch stimmt, das Pferd gerade gerichtet auf gebogener Linie alle drei Grundgangarten zeigt, das Verschieben von Gewicht auf eine feine Hilfe des Reiteres verstanden hat, und Lastwechselreaktionen selbstständig ausgleichen kann, dann sind Lektionen "nur" das Ergebnis daraus.
Wie bei allen Formen des Lernens ist die Basis das Wichtigste und kann nicht genug geübt und gelehrt werden.

  
4 jähriger Hafflinger Wallach nach ca. 6 Wochen unterm Sattel

Die eigentliche Ausbildung
dauert ca. 2 bis 4 Jahre, in denen das Pferd zuerst lernt geradegerichtet auf gebogener Linie alle drei Grundgangarten und die Übergänge sauber zu gehen. Im Anschluß daran folgen Bahnfiguren und Lastwechsel (Handwechsel in Bewegung), die Seitengänge in Schritt und Trab, später im Galopp, sowie verkürzte Tritte, je nach Möglichkeiten des Pferdes, bis zur Piaffe in absoluter Losgelassenheit.




Die Piaffe ist, anders als häufig angenommen, kein sinnloses Element der Hohen Schule. Sie erbringt vielmehr den Beweis dafür, dass das Pferd so weit ausgebildet und gymnastisiert ist, dass es nun in der Lage ist, den Reiter und sein Körpergewicht aufzunehmen, ohne körperlichen Schaden zu nehmen.
Denn es hat gelernt, dieses zusätzliche Gewicht mit der Hinterhand zu tragen. Allein diese besitzt aufgrund ihrer großen Muskelgruppen bei entsprechendem Training, die dafür notwendige Tragfähigkeit.





Hat das Pferd diese Grundausbildung abgeschlossen, ist es ca. 7 bis 8 Jahre alt und ist ausgewachsen. Nun sind die Sehnen, Bänder, Knorpel und Knochen hart genug, höhere Belastungen schadlos zu überstehen.


  Jedes Pferd sollte nach seinen Möglichkeiten in der Dressur ausgebildet werden, um es gesund zu erhalten. Eine sinnvolle Gymnastizierung ist für jedes Pferd eine Bereicherung und speziell für Pferde mit körperlichen Problemen oft unumgänglich.
Das Pferd muss in Balance gebracht werden, um maximale Leistungsfähigkeit in Leichtigkeit zu erhalten.

Das Ziel ist ein leichtrittiges, intelligentes, leistungsbereites und gesundes Pferd, das mit Freude mitarbeitet!
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